Von Wasser zu Wein?

Ab in die 90er: Hier gab es ganz besonders kreative Machenschaften, wie der herausgeschlagene Profit bei Olivenöl deutlich vergrößert werden konnte. Vorhang auf für ein dunkles Kapitel des Verbraucherschutzes!

1991, 10. August: Ein Containerschiff namens Mazal II erreichte den Hafen Ordu in der Türkei. Hier wurden ca. zwei Tausend Liter Haselnussöl in den Tank gefüllt. Der Tanker schiffte die Ladung aus dem Mittelmeer heraus über die Nordsee, machte eine Kehrtwende und fuhr wieder zurück ins Mittelmeer. Ende September legte es im italienischen Berletta an. Jedoch hatte das Schiff plötzlich nicht mehr Haselnussöl geladen. Ein Wunder biblischen Ausmaßes verwandelte das Haselnussöl zumindest den Papieren zufolge zu Olivenöl. Interessanterweise winkte der Zoll diese Mogelpackung durch (was auf Bestechung hindeutet). In Italien kam das Öl, das natürlich immer noch Haselnuss Öl war, dann zur Firma von Domenico Ribatti: Riolio. Dort ist es mit Olivenöl verschnitten und verkauft worden. Dieses Spiel wurde mehrmals wiederholt: Zwischen August und November 1991 wurden so 10 Tausend Tonnen von Haselnussöl und Sonnenblumenöl auf Umwegen nach Italien gebracht und dort verschnitten und als Olivenöl verkauft. Der Wohlstand Domenico Ribattis stieg. Eine Dreistigkeit, die Seinesgleichen sucht.

1992 versuchten in einer Under Cover Ermittlung Beamte Gespräche mitzuschneiden, die zwischen Ribatti und weiteren einflussreichen Olivenölproduzenten geführt wurden. Dazu war er mit einer Kamera und einem Mikrofon ausgestattet und als Kellner verkleidet. Mitgeschnittene Telefonate erzählten von Bestechungsgeldern. Das kriminelle Netzwerk zeigte sich nach und nach in seiner Ausdehnung. Über Schweizer Banken wurden die Gelder abgewickelt und Briefkastenfirmen auf der Karibik waren mit involviert. Abnehmer dieses verschnittenen Öls waren bekannte Namen: Nestle, Unilever, Bertolli und Oleifici Fasanesi.

1993 kam es zu Festnahme Domenico Ribattis zusammen mit einem seiner Chemiker. In den Verhören werden immer wieder die gleichen Aussagen von Ribatti aufgenommen, er sei von den Zulieferern betrogen worden. Jedoch gehörte zu Ribatti auch ein Schweizer, der sein Gewissen erleichtern wollte und redete. Diese „Unterlieferanten“, die Ribattis Firma Riolio Haselnussöl anstelle von Olivenöl verkauft haben sollen, wurden von der Riolio selbst kontrolliert. Es waren Briefkastenfirmen. Am Ende verlor die Verteidigung und Ribatti bekam eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat.

Der Olivenölhandelsverband Assitol hat seinen Vorstand und den Aufsichtsrat besetzt mit den Chefs namhafter Olivenölproduzenten. Darunter auch Ribatti. Er soll am Ende behauptet haben: „Wenn ich gehen muss, dann müssen alle gehen!“ Jedoch ging sonst niemand. Der Vorsitzende des Verbandes Leonardo Colavita sagte im Nachgang, dass Ribatti ein Ehrenmann sei und keine Namen verraten würde. Jedoch sollten seiner Aussage nach viele Ölfirmen von dem gepanschten Olivenöl gewusst haben.

Zusammengefasst: Der Zoll war mit eingebunden, die Briefkastenfirmen und die „Unterlieferanten“ gehörten dazu, über Schweizer Banken wurde das Bankengeheimnis gewahrt und ob im Handelsverband von Olivenöl Mitwisser waren ist zwar möglich aber nicht bewiesen. So können Kontrollinstanzen umgangen werden. Nur ein Verrat in den eigenen Reihen brachte den Verursacher zu Fall. Sonst hätte die Maschinerie gut geölt weiter funktioniert.

Da frage ich mich doch, wie ein rechtschaffener Olivenbauer dagegen halten kann? Oder der Verbraucher?