Is greed good?

Den Satz aus dem Film Wallstreet „Greed is good“ möchte ich infrage stellen. Wohin führt Gier? Ich unterstelle, dass Gier eine starke Triebfeder ist, die Moral und Regeln vergessen lassen. Dem Wort haftet etwas sehr negatives an. Zur Gier gehört immer ein starkes Maß Rücksichtslosigkeit. Der Zweck heiligt die Mittel. Und dieser Zweck heißt hier Besitz. Nicht umsonst ist (Hab-)Gier eine Todsünde. Wohin führt also Gier? Ganz klar: Zu Betrug. Und den finden wir auch oder erst recht bei Olivenöl.

Olivenöl und der dazugehörige Betrug entstanden quasi parallel. Das ist ja auch einleuchtend, weil gutes Olivenöl von Beginn an sehr begehrt war. Große Reichtümer sind mit dem Handel von Olivenöl entstanden. Römische Kaiser kamen teilweise aus Familien, die ihren Einfluss erst durch Olivenölhandel gewannen. Und großer Profit zieht die Menschen magisch an. Jeder möchte daran teilhaben, aber nicht jeder ist bereit dafür hart und ehrlich zu arbeiten. Da ist es nur eine Frage der Zeit bis der erste Betrugsfall entsteht. So zieht sich die Betrügerei und der Schwindel mit historischem Ausmaß durch die Zeit bis heute.

Der beste Hinweis, dass es beim Olivenöl nicht wirklich eng mit der Wahrheit gesehen wird, ist der Preis zu dem natives Olivenöl extra verkauft wird. Kein normal arbeitender Olivenbauer kann mit den Arbeitslöhnen zum Beispiel in Italien oder Griechenland so günstiges Olivenöl erster Güteklasse erzeugen, dass er unter 10€ pro Liter bleibt.

Es wird also aus Raffgier und Skrupellosigkeit an ein paar Schrauben in der Betrugsmaschinerie gedreht.

Eine gängige Methode läuft so ab: Olivenöl minderer Qualität wird in anderen Ländern (Tunesien, Türkei) günstig eingekauft und dann so verkauft, als wäre es Olivenöl erster Klasse aus den Regionen mit dem besten Ruf. Das erhöht die Gewinnmarge. Die Interessen der Verbraucher und der ortsansässigen Olivenbauern bleiben da komplett auf der Strecke.

Hier eine Statistik: 4 von 10 „italienischen“ Lebensmittelprodukten sind nicht in Italien hergestellt, sondern wurden nach Italien importiert, umettiketiert und dann verkauft. Dabei sei gesagt, dass Olivenöl in unserer europäischen Union zu den Lebensmitteln gehört, bei denen die meisten Betrugsfälle vorliegen.

Nicht falsch verstehen: Ich will hier nicht ehrliches wirtschaften, Profite auf Basis eines selbst erarbeiteten Wettbewerbsvorteils und gesundes Wachstum verteufeln. Das ist hier keine Kapitalismuskritik. Es geht hier um das Setzen eines vernünftigen Rahmens. Um Spielregeln, die für alle gleich sind und so gesunden Wettbewerb ermöglichen. Dieses faire Spielfeld gibt es aber in der Olivenölbranche nicht. Einflussreiche Marktteilnehmer verzerren die Regeln, um den eigenen Einfluss unantastbar werden zu lassen. Kleine Unternehmen, die sich nicht dieser Mittel bedienen wollen, werden aus dem Markt gedrängt. Und die Marktbarrieren für Neueinsteiger sind so hoch, dass sich niemand in das Haifischbecken hineinwagt. Zumindest nicht mit dem Ziel der Preisführerschaft…