Im Zeitraffer bis 1986

Hefte raus und mitgeschrieben! Hier gibt es eine Liste denkwürdiger Momente in der Betrugshistorie ab dem 15. Jahrhundert:

  • Im 15. Jahrhundert wurde der Handel mit Olivenöl besteuert. Der Staat wollte ein Stück der Profitabilität beim Olivenöl nämlich abbekommen. Da sich jedoch der eine oder andere dabei über den Tisch gezogen fühlte, war die Bereitschaft dieses Stück abzugeben recht klein. So auch bei Alessandro Minischalchi und Leonardo Pellegrini. Diese beiden versuchten auf illegale Weise diese Steuern zu umgehen. Dafür wurden Sie zwar angeklagt aber direkt im Anschluss freigesprochen (Hier muss man anmerken, dass die beiden Herrschaften aus einflussreichen venezianischen Familien kamen; Man merke sich also folgendes Schema: Großer Einfluss führt bei Anklage zu Freispruch). Dennoch hatte der Gerichtsprozess ein Gutes: Den Ordnungshütern wurde eine Art „Inquisitionsverfahren“ ermöglicht. Eine frühe Form der Razzia. Dabei ist auch gefoltert worden. Dennoch war der langsame Untergang der wirtschaftlichen Vormachtstellung der Venezianer eingeleitet: Die soeben erwähnten Steuern und das Ausbrechen der Pest damals führten nämlich zu einem Konsumrückgang bei Olivenöl. Somit wurde einer der Hauptmotoren für das wirtschaftliche Wachstum der Venezianer immer weiter gedrosselt. Mit den Jahren verloren die Venezianer an Macht und sie wurden im Mittelmeer zurückgedrängt. Sie gaben nach und nach die dominierende Position an das erstarkende osmanische Reich ab. Neben dem osmanischen Reich breiteten sich auch die Niederländer und Franzosen aus, die nun aus den italienischen Anbaugebieten das Olivenöl nicht erst über Venedig, sondern direkt in die Heimat verschiffen konnten. Firmen entstanden dabei, die immer größer wurden und den Produktionsmarkt unter ihre Kontrolle brachten und den Preis diktierten. Die Situation damals glich der heutigen immer mehr.
  • Im 17. Jahrhundert kam ein weiterer Betrugsfall ans Licht: Der übliche Weichmacher Olivenöl wurde in Wollfabriken durch Rapsöl ersetzt. Dieses Öl war günstiger und leichter zu bekommen. Jedoch erhöhte sich dadurch der Wurmbefall, weil Würmer sich bei lange gelagertem Rapsöl gern vermehrten. Die Würmer beschädigten dann die Wollproduktion.
  • Während des 19. Jahrhunderts wurde in den USA gerne Baumwollsaatöl zum Verschneiden von Olivenöl verwendet. Der Großteil des Olivenöls auf dem nordamerikanischen Markt war zu dem Zeitpunkt gefälscht.
  • Filmreife Leistung: Mitte des 20. Jahrhunderts vertrieb Joseph Profaci Olivenöl in den USA im großen Stil. Durch das extrem hohe Bevölkerungswachstum der Vereinigten Staaten war enormer Bedarf für Olivenöl da. Profaci war jedoch noch in anderen Bereichen ein tüchtiger Geschäftsmann: Mit Erpressung, Drogenhandel und der organisierten Prostitution gelang er zu großem Reichtum. Zusätzlich war er Teil der italienischen Mafia. Er diente der Hauptfigur des Films „Der Pate“ als Vorbild. In dem Streifen besaß Vito Corleone sogar eine eigene Olivenölfirma. Am Ende ist aus der Firma von Profaci ein Tochterunternehmen entstanden, das nun den amerikanischen Markt beliefert.
  • Mafiasyndikate verdienen übrigens durch den Verkauf von italienischem Olivenöl, das dann jedoch verschnitten ist, 60 Milliarden Euro pro Jahr. Hier wird die Gewinnspanne zum Preis der Gesundheit maximiert.
  • Im Jahr 1986 kam es in Italien zum Methanolskandal. Dieser Skandal betraf den italienischen Wein. Nicht das Olivenöl. Mangelnde Qualitätsprüfungen und schwache Regularien führten dazu, dass Winzer ihre Weinmenge mit Methanol künstlich erhöhen wollten. 26 Menschen starben und 20 Menschen sind erblindet. Dies führte zu einer heftigen Reaktion der Behörden: Strengere Kontrollen, Produktionsrückverfolgung, Zertifizierung und die Festlegung von Qualitätsmerkmalen waren die Folge. Das Ergebnis war ein wesentlich besserer Wein. Ohne also makaber klingen zu wollen, war aus diesem Skandal eine positive Entwicklung des Produktes resultiert.

Das soll an Informationen erst einmal reichen. Man merkt, dass die Suche nach einer größeren Gewinnspanne, einige Menschen (unheimlich) kreativ werden lassen kann. Den Ideen sind hier keine Grenzen gesetzt, wie wir sicherlich noch sehen werden.